Homeoffice als Studentin – alles (halb so) wild?

Lena valantic

Ich kann es kaum glauben, dass ich mich seit knapp fünf Monaten im Homeoffice befinde. Früher musste ich bei diesem Begriff immer an unabhängige Selbstständige und reiche Manager*innen denken, die durch die halbe Welt jetten und mit Laptop am Strand einen Cocktail schlürfen.
Jetzt sehe ich vor meinem inneren Auge genervte Mütter und Väter, die im Schlafanzug vorm Computer hängen und sich von ihren Kindern die Haare zu Zöpfchen flechten lassen, um sie wenigstens kurz ruhig zu stellen.
Und mich, die Studentin Lena-Marie, die auf ihrem chaotischen Schreibtisch ein wenig Platz für den Laptop freigeschaufelt hat und nun vorsichtig die von der Firma ausgeliehene Computermaus um Süßigkeitenpapiere, Schmierzettel und Bücher herumnavigiert.

Homeoffice – funktioniert das?

Ganz am Anfang war ich aufgeregt, neugierig und auch verunsichert: Würde ich genauso effizient arbeiten können wie im Büro? Würde ich mich genauso motivieren können zu arbeiten? Würde ich in Zeiten von Homeoffice und -uni jemals eine normale Hose anstelle einer Jogginghose tragen?
Letzteres kann ich positiv beantworten – auch wenn die Jogginghose definitiv öfter als zuvor zum Einsatz kommt. Was die Motivation angeht, kann ich auch hier glücklicherweise keine große Verschlechterung feststellen. Nachdem die anfängliche Frustration aufgrund der Umstellung und der vielen technische Hürden überwunden war, hatte ich mich ganz gut an das neue „Normal“ gewöhnt.

Die Freiheit und ihre Grenzen

Ich kann länger ausschlafen, flexibler Pausen einlegen, zusammen mit meinen Mitbewohnern Mittagessen und dabei eine kurze Folge „Brooklyn Nine-Nine“ gucken, meine Musik hören, mein hässlichstes T-Shirt zum Onlinemeeting anziehen (und mich nur einmal kurz dafür schämen, wenn der Postbote mich mit lautem Klingeln an die Tür und meine Kolleg*innen am anderen Ende der Leitung aus dem Stuhl klingelt)… Alles in allem könnte es mir schlechter ergehen.
Allerdings habe ich manchmal das Gefühl, dass ich bestimmte Dinge im Büro etwas effizienter erledigen könnte. Mir fehlen meine beiden großen Computermonitore, mit denen ich manche Aufgaben schneller und unkomplizierter erledigen könnte. Ich kann mir diese prinzipiell ebenfalls ausleihen, doch gibt es dafür auf meinem Schreibtisch einfach nicht genug Platz. Egal, wie viel ich schaufele – irgendwo muss ich schließlich auch noch studieren.

Endgegner: Technik!

Wenn ich manchmal an meine elf kleinen Cousinen und Cousins denke, die sich bei Familienfeiern stets kreischend durch den Garten jagen mit einer Energie, wie sie unfairerweise nur Kleinkindern zuteilwird, kann ich es allerdings erahnen: Es muss verdammt schwer sein, Beruf und Familie nicht nur unter einen Hut, sondern buchstäblich unter ein Dach zu bringen.
Ich habe keine Midis oder Minis zuhause wie beispielsweise eine Kollegin, die in diesem Beitrag von ihren Erfahrungen berichtet hat. Nur eine nervige WhatsApp-Gruppe, die ständig pingt, wenn meine Kommiliton*innen wieder mal wissen wollen, ob jemand den Link/Code/Termin/Schlüssel zum Skype/Zoom/jitsi-Meeting für die nächste Vorlesung weiß.

Die größten Herausforderungen für mich kommen im Homeoffice aber meist in Form von technischen Problemen, ausgelöst vom Corona-Karma, das wohl findet, dass ich im Gegensatz zu vielen anderen etwas zu glimpflich davongekommen bin. Dass ich zusätzlich noch den zickigen Launen des heimischen Internets ausgesetzt bin, macht die Sache nicht unbedingt besser und versetzt mich regelmäßig in Rage. Glücklicherweise stört es in meiner Studentenbude niemanden, wenn ich laut vor mich hin fluche. Und dank der etwas flexibleren Arbeitszeiten kann ich jederzeit eine kurze, entspannende Yogasession einlegen. Vielleicht sollte ich das mal im Büro vorschlagen für die Zeit nach Corona 😉

Corona: Fluch und Chance?

Homeoffice Ausblick

Mir ist in letzter Zeit bewusst geworden, dass ich mich im Gegensatz zu vielen anderen in dieser coronabedingten Lage sehr glücklich schätzen kann: ich habe einen Job, den ich von zuhause aus erledigen kann, in meiner WG bin ich trotz Isolation nie alleine, ich bin unabhängig und für niemand anderen oder Kinder verantwortlich und vom Schreibtisch aus kann ich Hasen beobachten, die unter meinem Zimmerfenster umherhoppeln (Leider sprang der Hase, bevor ich ein Foto schießen konnte, hinter ein Auto und versteckte sich).


Und ja, auch ich muss bei der Aussage „Wir müssen diese Krise als Chance nutzen“ regelmäßig die Augen verdrehen. Nichtsdestotrotz befürchte ich, dass dies ein sehr hilfreicher Ansatz sein kann, der ein wenig über das Ganze hinwegtröstet und gleichzeitig ein Ansporn für die eigene Entwicklung bietet. Denn egal, wie gut oder schlecht es uns jeweils in der Krise geht – das ein oder andere dazugelernt haben wir wohl alle.
Ich habe in puncto Tagesplanung und Selbstdisziplin um einiges zugelegt und mich außerdem in vielerlei Hinsichten fortgebildet – sowohl im privaten Bereich beim Klamotten Schneidern als auch beruflich über Marketingblogs und Youtube-Channels. Und mein Gitarrenspiel hört sich mittlerweile fast gut an 😊 Für all das hatte ich während der Ausgangssperre endlich Zeit.

Schlussendlich kann also gesagt werden, dass ich mich mit diesem neuen Leben im Homeoffice – wenn man von den sozialen Einschränkungen absieht, die mich natürlich auch hart getroffen haben – ganz gut zurechtfinde und ihm sogar ein wenig Gutes abgewinnen konnte. Aber genug von Corona – der Sommer steht vor der Tür und ich kann schon hören, wie Elbe und Sonnenbrand nach mir rufen – ab ins Freie!


PS.: Ich bin immer auf der Jagd nach neuen Lieblingsorten für Spaziergänge, Picknicks und Feierabendbierchen. Kennt jemand empfehlenswerte Plätzchen in unserem schönen Magdeburg? Dann her damit! 😊

2 Comments

  1. Jens said:

    Vielen Dank, liebe Lena, für diesen interessanten Einblick in Deinen Corona-Studenten-WG-Haushalt! Weiter viel Spaß, Erfolg und ein stabiles WLAN!
    Tipps für neue Lieblingsorte überlasse ich gern den Einheimischen; ich könnte nur etwas weiter südlich mit Insiderwissen glänzen. 😉

    18/08/2020
    Reply
    • Lena-Marie said:

      Danke dir Jens 🙂

      24/08/2020
      Reply

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